In einer “Expertise” der Heinrich Böll Stiftung leugnet ein Wissenschaftler erneut die Benachteiligung im Bildungssystem

Mit emsiger Bekanntmachung durch die TAZ wurde heute eine neue “Expertise” veröffentlicht, deren Inhalt angeblich das Ziel verfolgt, die Diffamierung des Feminismus durch so genannte Männerrechtler nachzuweisen. Um einer wissenschaftlichen Überprüfung stand zu halten war das Werk jedoch nicht geeignet, wie Michael Klein hier eindrucksvoll belegt:

Ansonsten findet sich auf den 175 Seiten nichts, was neu wäre. Der Autor stellt fest, dass Argumente, die von denen, die er als Männerrechtler bezeichnet, genutzt werden, auch von denen genutzt werden, die er als „Neue Rechte“ einstuft, und er – schrecklich, schrecklich – findet ähnliche Aussagen wie sie von besagten Männerechtlern gemacht werden, im Schrifttum des norwegischen Attentäters Anders Breivik. Besser kann man sein Unverständnis darüber, was Wissenschaft ist, nicht dokumentieren als mit diesem ad hominem, über dessen Verwendung sich bereits Aristoteles (in griechisch) aufgeregt hat. Herr Rosenbrock, ein Argument wird nicht dadurch richtig, dass es eine bestimmte Person (also z.B. Sie) ausspricht, und es wird auch nicht dadurch falsch, dass es eine bestimmte Person (z.B. Breivik) ausspricht. Ein Argument ist dann falsch, wenn es an der Realität scheitert, d.h. falsifisiziert wurde. Der Wahrheitswert einer Aussage ist völlig unabhängig von der Person dessen, der die Aussage trifft. So schwierig zu verstehen ist das doch eigentlich nicht – oder?

Weiter  findet sich die alte Kamelle des Gender Pay Gaps und die langsam nervtötende Repetition der Behauptung, Jungen seien keine Bildungsverlierer. Allerdings muss man Rosenbrock zu Gute halten, dass er den Gegenstand der Biildungsnachteile von Jungen auf eine neuartige und in Zynismus kaum zu überbietende Art und Weise angeht: „So erreichen 20 Prozent der Jungen die allgemeine Hochschulreife und sind sicher keine Bildungsverlierer“ (Rosenbrock, 2012, S.78).  Ja dann! Wen kümmert es schon, dass Jungen deutlich seltener die Hochschulreife erreichen als Mädchen, wen kümmert es, dass deutlich mehr Jungen auf Sonderschulen und Hauptschulen zu finden sind als Mädchen, und wen kümmert es, dass deutlich mehr Jungen als Mädchen ganz ohne Schulbabschluss bleiben?  Nebenbei bemerkt ist „Verlierer“ ein relativer Begriff, den man nicht einfach absolut in den Raum stellen kann (oder Pauschalisieren kann…). Um ihn mit Sinn zu füllen, wäre es daher notwendig, die Gewinner zu nennen – trauen Sie sich, Herr Rosenbrock, wenn Sie wirklich glauben, dass Frauen nicht prügeln.

Herr Rosenbrock hat den Jungen also einen Bärendienst erwiesen.

Dem Artikel in der TAZ ist aber zu entnehmen, dass sich der Forscher Rosenbrock mit seinem Spitznamen zwar unwohl fühlt, auf  Wissenschaftlichkeit in seinen eigenen Diffamierungen aber glaubt, beruhigt verzichten zu können, denn:

HINRICH ROSENBROCK (Foto privat)

“Lila Pudel heiße ich jetzt schon. Für alles andere habe ich eine Rechtsschutzversicherung.

Insgesamt ist das Werk ein schönes Beispiel für die Argumentationshypostasen der “Genderforschung” im Kantschen Sinne…

Eine weitere, lesenswerte und kritische Betrachtung der “Expertise” findet sich hier.

Mitdiskutieren im Forum?
Über Netzwerk Jungenarbeit

Mehr und mehr haben wir in den letzten Jahren die gesellschaftliche Diskriminierung und Abwertung von allem, was männlich ist, realisieren müssen. Wir wissen, dass jede Benachteiligung eines Geschlechts nur dazu führen wird, dass zukünftig genau diese Hälfte der Gesellschaft als motivierte Leistungsträger verloren gehen wird.
Solange unter "Gender-Mainstreaming" noch immer größtenteils nicht mehr als die zunehmende Benachteiligung von Jungen und jungen Männern verstanden wird, fühlen wir uns der Parteilichkeit mit ihnen verpflichtet.

Ihre Meinung ist uns wichtig