Für Frau Faulstich Wieland (und andere) wird es eng: Eine weitere Studie belegt die Bildungsbenachteiligungen von Jungen

Just heute stieß ich auf diesen Artikel.

Eine neue Studie belegt die Benachteiligung von Jungen, Migrantenjungen im Besonderen. Zwar wir auch in diesem Artikel widersprüchlich herumgeeiert, indem die Benachteiligung von Jungen zuerst kleingeredet wird (marginal), um im folgenden jedoch wieder mit einem weiteren Link untermauert zu werden…

Die zentralen Ergebnisse lauten:

  • Die Wissenschaftler haben den Grad der Korrelation zwischen sich teilweise überlagernden Merkmalen und der Notengebung gemessen: Demnach lassen sich Schulnoten zwar zum größten Teil mit der Leistung erklären (knapp 50 Prozent). Mit einem Einflussgrad von rund 20 Prozent und in etwa gleichstark spielten kognitive Fähigkeiten, der Bildungshintergrund der Eltern, der Bücherbesitz im Elternhaus sowie der sozioökonomischen Status eine Rolle.
  • Auch ob ein Schüler ausländische Wurzeln hat, beeinflusst die Notenvergabe, wenn auch weniger stark, als die vorangegangenen Faktoren. “Die Annahme, dass Schüler mit Migrationshintergrund an der Übergangsschwelle von der Grundschule in die weiterführende Schule wegen ungerechter Notenvergabe benachteiligt werden könnten, wurde durch die Studie nicht bestätigt”, heißt es in der Zusammenfassung.
  • Das Geschlecht spielt dagegen nur eine marginale Rolle. Allerdings fällt auf, dass Mädchen etwas besser (2,58) benotet werden als Jungen (2,67), obwohl sie in den standardisierten Leistungstest etwas schlechter abschnitten.
  • Bei der Notenvergabe spielt auch eine Rolle, wie sehr ein Schüler bereit ist, sich anzustrengen (rund 14 Prozent) und wie gewissenhaft er arbeitet (9 Prozent).
  • Heute sind etwa ein Fünftel der Gymnasiasten Arbeiterkinder. Wenn sich die soziale Herkunft nicht mehr aus die Leistung auswirken würde, könnte deren Anteil auf fast ein Drittel steigen.
  • Umgekehrt vergeben Lehrer auch Gymnasialempfehlungen, die sie selbst nicht für angemessen halten. So erhielten Schüler in knapp sechs Prozent aller Fälle eine zu positive Empfehlung. Diese Abweichung ist statistisch signifikant dem sozialen Hintergrund der Schüler geschuldet.

Diese Erkenntnisse sind nicht neu – in ihrer neuen Zusammenstellung zeigen sie aber, dass sich an den längst bekannten Problemen, die spätestens seit der erste Pisa-Studie von 2001 breit diskutiert werden, kaum etwas gebessert hat. Bekannt ist längst, dass Jungen in der Schule oft eher schlechter bewertet werden als Mädchen. Selbst der falsche Vorname kann Kindern die schulische Zukunft verbauen.

Festzuhalten bleibt: wer die Benachteiligung von Jungen im Bildungssystem in prominenter Weise leugnet oder schönredet, den soll nach meiner Ansicht in einigen Jahren der “heilige Zorn” treffen! (Die Wut ist nur die kleine Schwester des Zorns – sie wird weniger ernst genommen, dient hauptsächlich der persönlichen Entlastung und sie ist nicht so treffsicher. Wer mehr lernen möchte — hier entlang:

Beide Studienartikel sind hier zum Download als PDF zu finden

Über Netzwerk Jungenarbeit

Mehr und mehr haben wir in den letzten Jahren die gesellschaftliche Diskriminierung und Abwertung von allem, was männlich ist, realisieren müssen. Wir wissen, dass jede Benachteiligung eines Geschlechts nur dazu führen wird, dass zukünftig genau diese Hälfte der Gesellschaft als motivierte Leistungsträger verloren gehen wird.
Solange unter "Gender-Mainstreaming" noch immer größtenteils nicht mehr als die zunehmende Benachteiligung von Jungen und jungen Männern verstanden wird, fühlen wir uns der Parteilichkeit mit ihnen verpflichtet.

Kommentare

  1. Michael Klein meint:

    Der Artikel im Spiegel ist schlecht, denn das eigentlich Interessante an der Studie von Maaz, Baeriswyl und Trautwein, die man hier fndet:

    http://www.vodafone-stiftung.de/scripts/getdata.php?DOWNLOAD=YES&id=16204

    fehlt:

    Ich zitiere aus der Zusammenfassung, Seite 86:

    “Die Befunde der vorliegenden Expertise konnten zeigen, dass Leistungsbewertung in Form von Schulnoten
    nicht ausschließlich leistungsrelevanten Kriterien folgt. Vielmehr zeigten sich auch Einflüsse leistungsfremder Merkmale. Hierzu zählen neben Referenzgruppeneffekten insbesondere der soziale Hintergrund der Schülerinnen und Schüler sowie das Geschlecht. In den Teilstudien
    konnten Effekte dieser Merkmale sowohl am Beginn der Bildungsbiografie, in der Grundschule als auch zu einem späteren Zeitpunkt, am Ende der gymnasialen Oberstufe festgestellt werden. Demzufolge erhielten Kinder aus sozial weniger begünstigten Familien bei gleichen Leistungen in einem standardisierten Leistungstest schlechtere Noten als Kinder aus sozial begünstigten Familien. Geschlechterunterschiede
    zeigten sich zu Gunsten der Mädchen, die bei gleichen Leistungen in standardisierten Leistungstests
    bessere Noten erhielten als die Jungen”

    Das ist Sprengstoff, denn damit steht fest, dass Lehrer (also zu 3/4 Mehrheit Frauen) Jungen UND Kinder aus der Arbeiterschicht benachteiligen. Das fügt einen weiteren Beleg zu den Belegen, die es sowieso schon für die Benachteiligung von Jungen und Arbeiterkindern durch LehrerInnen gibt und die ich im Mai diesen Jahres hier zusammengestellt habe:

    http://sciencefiles.org/2011/05/23/jungen-werden-im-deutschen-schulsystem-benachteiligt/

    Eine komplette Sammlung des mir bekannten Materials zur Jungenbenachteiligung sowie ein paar weitere Infos findet sich hier:

    http://sciencefiles.org/tag/benachteiligung-von-jungen

  2. Netzwerk Jungenarbeit meint:

    Vielen Dank für diese Ergänzung. Interessant ist mal wieder, wie sehr selbst diese eindeutigen Ergebnisse von den Medien immerwährend kleingeredet werden…
    Ein Skandal, dessen Auswirkungen aber leider erst dann eintreten werden, wenn diejenigen, die es verbockt haben auf diejenigen, die es traf, vielleicht mal angewiesen sind. (Ich stelle mir hier z.B. eine Situation im Altersheim vor, in dem ein ehemalig benachteiligter Junge als Altenpfleger seine Ex-Lehrerin zur Klientin hat)

Ihre Meinung ist uns wichtig